GASTWIRT Ausgabe 2018 | 07 Leseprobe

Wer Craftbier für sich als kurzlebigen Trend abgehakt hat, sollte noch einmal innehalten. Denn schon lange ist keine Rede mehr davon, dass diese ausschließlich für Bierfreaks interessant sind – der Trend zur Biervielfalt macht österreichweit auch vor der Gastronomie nicht Halt. Vor allem im urbanen Raum, in Wien und Graz, zeigten sich immer mehr Gastronomen aufgeschlossen und würden zumindest ein oder zwei Spe- zialbiere in ihre Karten aufnehmen. Ebenfalls experimen- tierfreudig wären die Vorarlberger, während die Salzburger ihr Bier lieber ganz traditionell trinken, so Markus Betz, Geschäftsführer des Bierspezialitätenhändlers ‚BeerLovers‘. Dabei, so ist Betz sicher, stünden Spezialbiere aller Art keinesfalls in Konkurrenz zu den ‚normalen‘ Bieren der großen und kleineren Brauereien: „Unserer Erfahrung nach konsumieren Craftbier-interessierte Gäste gerne ein, zwei Spezialbiere und steigen dann auf ein sauber gebrautes Krügerl um. So steigert die Vielfalt auf der Karte den Gesamtbierumsatz!“ Sauerbier wäre dabei für viele Biermuffel der erste Schritt Richtung Bierwelt. „Süß, süffig, ein fast champa- gnerartiges Mousseux – und nach und nach entfalten sich die fein-hefigen Aromatik, frische Fruchtanklänge – von leichtem Zitrus bis hin zu vollreifer Sauerkirsche – diese Craftbier Spezialität mit belgischen Wurzeln ist eine pri- ckelnde Aromareise, die neugierig macht auf mehr.“ Bis jetzt sei Sauerbier aber noch ein absolutes Nischenprodukt und weitgehend unbekannt – außer in Belgien. Nach einem ersten Kontakt letztes Jahr ist in der GASTWIRT-Redaktion die Neugier erwacht – also ha- ben wir uns dieses zukünftige Trendprodukt heuer einmal näher angesehen! Bakterien oder Spontanvergärung „Unter dem Überbegriff Sauerbier werden heute im Prinzip alle Biere zusammengefasst, die im Geschmack eine ausgeprägte Säure aufweisen“, erklärt Markus Betz. Doch man dürfe sich vom „Sauer“ im Namen nicht abschrecken lassen. Erstens gäbe es eine große Bandbrei- te an Geschmacksausprägungen und zweitens wären im Vergleich zu heute früher sicher fast alle Biere deutlich saurer gewesen. „Vor der Entdeckung der Hefe waren Kaum ein Gastronom in unseren Breiten kennt es schon, noch weniger haben es bereits auf ihre Getränkekarte gesetzt – wer es aber einmal probiert hat, hat in jedem Fall eine Meinung dazu: Sauerbier. Love it or hate it lautet die Devise. Wobei: „Das“ Sauerbier gibt es ja eigentlich gar nicht. Von der Soda-Zitron-artigen ‚Berliner Weisse‘ bis hin zum Alko-poppig-süßen ‚Kriek‘ der Brauerei Lindemans reicht die geschmackliche Palette. Bei den „BeerLovers“ inWien hat der GASTWIRT einen sensorischen Streifzug durch die verschiedenen Sauerbierstile unternommen. Fazit: Sauer macht – und ist – lustig! F & B Gastwirt 2018 / 07 Text: ElisabethWaxmund

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