UmweltJournal Ausgabe 2018 | 06 Leseprobe

AUS DEM INHALT 54 Arbeitsfelder Der Aktionsplan der Europäi- schen Kommission selbst listet 54 Arbeitsfelder auf – vom Produktdesign über Rohstoff- bedingungen bis hin zurWieder- verwendung und zumRecycling. Auch über Europa hinaus wach- sen die Ambitionen in Richtung „Circular Economy“. „Die Uni- do arbeitet auf globaler Ebene an der Entwicklung mehrerer Bausteine für die Kreislaufwirt- schaft“, so der stellvertretende Generaldirektor der Unido Hi- roshi Kuniyoshi. „Wir wandeln an ungefähr 15 Standorten in Entwicklungsländern Industrie- parks in Öko-Industrieparks um, wir haben in mehr als 60 Ent- wicklungs- und Schwellen- ländern ein Netz von Zentren, die ressourceneffizientere und sauberere Produktionsweisen fördern, aufgebaut und wir sind an zahlreichen Recycling- und Abfallwirtschaftsprojekten in der ganzenWelt beteiligt.“ Im abfallwirtschaftlichen Vergleich zählt Österreich aber immer noch zu den internatio- nalen Vorreitern. In österreichi- schen Haushalten fallen jährlich rund 4,3 Millionen Tonnen Ab- fälle an, wovon rund 90 Prozent stofflich oder thermisch verwer- tet – also weiter genutzt – wer- den. Das gesammelte Altpapier wird fast zur Gänze für die Pro- duktion neuer Papierprodukte verwendet. Ein zentraler Be- standteil der Kreislaufwirtschaft ist auch das Recycling von Ab- fällen. Beispielsweise benötigt das Wiedereinschmelzen von Aluminium im Vergleich zur Neuherstellungnur fünf Prozent der Energie. Kreislaufwirtschaft als Zukunftsmodell Daneben findet sich auch das Thema Reparierbarkeit und Re-Use von Produkten immer häufiger auf kreislaufwirtschaft- lichen Umsetzungsplänen. Der Tiroler Umweltverein zeigt vor wie das funtionieren kann: seit 2008 werden in einem Pro- jekt rund 13.000 Schultaschen wieder zu verwenden. „Das erfolgreiche Tiroler Schulta- schenprojekt zeigt, dass die Be- völkerung Re-Use-Initiativen engagiert unterstützt, und dieses Projekt soll als Anregung dienen, noch brauchbare Gegenstände einer Wiederverwendung zuzu- führen anstatt sie als Abfälle zu entsorgen“, stellt Michael Kneisl Obmann des Umweltverein Ti- rol fest. Die Nachfrage nach den Re-Use-Produkten im Inland ist dabei stark gestiegen. In 106 Re- Use-Shops wurden 2017 rund 5.150 Tonnen Re-Use-Produkte an etwa 1,6 Mio Kunden ver- Das Rohstoffpotenzial von Siedlungsabfalldeponien wird häufig als „zu wenig“, „zu schmutzig“ oder „zu feinkörnig“ angesehen. Nun wird mit dem Projekt „EU Training Network for Resource RecoveryThrough Enhanced Landfill Mining” (NEW-MINE) ein neuer Versuch unternommen, um Abfälle, die seit Jahrzehn- ten in Deponien vor sich hin verrotten, doch noch einer stofflichen oder energetischen Verwertung zuzuführen. Die Montanuniversität Leoben ist mit an Bord. Seite 9 STANDPUNKT „OceanCleanup“ Im September war es soweit: Ocean Cleanup ist nach fünf Jah- ren Vorbereitung in See gestochen, ein ambitioniertes Projekt des jungen Niederländers Boyan Slat, um zumindest einen kleinen Teil der Plastikmengen einzusammeln, die in giganti- schemAusmaß zwischenHawaii und Kalifornien treiben. Trotz all dieser Bemühungen ist eine Lösung des Problems in weiter Ferne. Nachwie vor steigt die Plastikproduktion, derzeit werden über 500MillionenTonnenpro Jahr hergestellt. FürNachschub ist damit ausreichend gesorgt. Schätzungsweise acht Millionen Tonnen gelangen jährlich in dieWeltmeere. Umdas einzudäm- men wird in der EU noch immer darüber diskutiert, obman Sa- ckerl und Einwegplastik verbieten soll. Eine Schande, dass noch immer nichts passiert ist. In Ruanda sind Plastiksackerl längst verboten. Geht ja einfach, meinen Sie? Kagame regiert ja quasi als Diktator. Jedoch folgt er hier demDiktat der Vernunft. Auch das Diktat des Geldes kann Auslöser solcher Gesetze sein: Um nicht Tourismus-Einnahmen durch verschmutzte Strände zu verlieren, hat Jamaika Plastik und Styropor verboten. Vollkommen ungelöst ist auch das ProblemMikroplastik in der Umwelt. Dieses globale Phänomen hat sehr viele Quellen, vor allem Abrieb wie von Schuhsohlen, Fahrbahnen oder Reifen. Allein in Deutschland schätzt man die jährliche Menge an Mi- kroplastik auf 330.000 Tonnen, ein Drittel davon stammt vom Reifen-Abrieb. Wie die aktuelle Forschung belegt, erfolgt die weltweite Verteilung nicht nur durch Wind und Regen oder Wasser-Lebewesen, sondernauchdurch Insekten, die als Larven Mikroplastik aufnehmen. Plastik ist also längst in unserer Nahrungskette, und das wird weiterhin viele Jahre so bleiben. Ganz egal obwir verbieten oder freiwillig vermeiden. Ing. Walter Kletzmayr KLEWAUmwelttechnikGmbH walter@klewa.co.at U M W E L T T E C H N I K • E N E R G I E • A B F A L L W I R T S C H A F T Retouren an Postfach 555, 1008 Wien | Österreichische Post AG | SCIAM Fachmedien GmbH & Co KG, Geblergasse 95, 1170 Wien | Zulassungsnummer: MZ 02Z030100 M P. B . B . V E R L AG S PO STAMT A - 1 1 7 0 W I E N SE I T 1994 | NOVEMBER 2018 – AUSGABE 6 | E INZELPRE I S : EURO 4 , 50 , - Th e ma d i e s e r Au s g a b e : Ab fa l lw i rt s cha f t d e r Zukun f t ChristianHolzer Man muss die Ökodesignrichtlinie um Kriterien des „Design for Recycling“ und „Re-Use“ erweitern. Seite 4 Carl-A. Fechner Die Ausbeutung der Erde durch den Men- schen hat in diesem Jahrhundert ungeheure Ausmaße angenommen. Seite 20 Willi Linder Wir wollen mit dem neuen Lehrgang „Lernraum Natur“ dem Trend der Naturentfremdung entgegenwirken. Seite 21 Das EU-Kreislaufwirtschaftspaket soll nun immer mehr in die Umsetzungsphase eintauchen, betonen Regierungen wie unabhängige Experten. Auch die Reparierbarkeit von Produkten und Ökodesign bei Abfallströmen der Zukunft wird dabei eine Rolle spielen. Kreislaufwirtschaft konkret? kauft und darüber hinaus weitere 190 Tonnen an Bedürftige ab- und 340 Tonnen an inländische Händler weitergegeben. Deut- lich zugenommen hat - mit der- zeit etwa 1.500 Stellen - auch die Anzahl der Arbeitsplätze, wie Re- paNet, das Re-Use- und Repara- turnetzwerkÖsterreichs, betont. Die Idee der Kreislaufwirt- schaft aber geht tatsächlich einen Schritt weiter als Re-Use. Denn Produkte sollten von vornherein sogestaltetwerden,dasssiespäter leichter repariert, wiederverwen- det oder recyceltwerdenkönnen. Eine Forderung, die vor allem für die neuen zu erwartenden Abfallströme der Zukunft gilt, wie Batterien von Elektroautos und Co. Waren 2017 insgesamt weltweit gerade mal etwa eine Million reine E-Fahrzeuge und Plug-in-Hybride auf der Straße unterwegs, wirddieZahl der jähr- lich neu zugelassenen E-Autos bis 2030 auf über 20 Millionen weltweit steigen. Damit steigen auch die Notwendigkeiten für effektives Recycling undWieder- verwertbarkeit dieserneuenMas- sentechnologie – notwendige Kreislaufwirtschaft eben. M it wesentlichen Richt- linienänderungen hat im April dieses Jahres das seit drei Jahren heftig disku- tierte EU-Kreislaufwirtschafts- paket noch einmal an Brisanz gewonnen. Abfallwirtschaft und Ressourcenmanagement werden nun unter den Top-Agenden neben Digitalisierung und Ener- giewende gelistet und hat damit einen deutlich höheren politi- schen Stellenwert bekommen. Im Rahmen der österreichi- schen EU-Ratspräsidentschaft widmete man sich daher bis dato wohl am intensivsten diesem Thema – so auch beim interna- tionalen Kongress zur Zukunft der Kreislaufwirtschaft in Wien. Nachhaltigkeitsministerin Eli- sabeth Köstinger betonte dabei, dass die Bewusstseinsbildung und die Einbindung der Bevölke- rung in dasThema Kreislaufwirt- schaft eine zentrale Rolle spielen müsse: „Kreislaufwirtschaft ist nichts Abstraktes. Es ist ganz ein- fach: Wertvolle Ressourcen gilt es verantwortungsbewusst und effizient zu nutzen. Richtig ge- trennterAbfallvonheuteistdabei der Rohstoff von morgen. Das betrifft uns alle – jede und jeder Einzelne kann einen wertvollen Beitrag leisten.“ Kreislaufwirt- schaft soll also „konkret“ – so will es diePolitik; welcheHandlungs- felder dabei besonders im Fokus stehen, listet ein neues Positions- papier desÖWAVauf. Eine noch bessere und umfangreichere Datensammlung, sowie verstärk- tes Ökodesign stehen in diesem Papier an vorderster Front (lesen Sie ab Seite 4). Fotos: iStock.com 1. - 3. März 19 Mi 27. Feb., SHK-Fachtag Do 28. Feb., Bau- & SHK-Fachtag Die 3-Fachmesse für BAU, BAD, ENERGIE espa19_TK_85x42mm_Umwelt.indd 1 24.10.18 07:34 Ihr Partner für Schallschutz Allclick AUSTRIA GmbH Wiener Straße 100, 2511 Pfaffstätten Tel.: 02252/49 001-0, Fax: 02252/49001-40 , www.allclick.at Schallschutztechnik | Inneneinrichtung | Lagerhilfsmittel | Lagereinrichtung

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