UmweltJournal Ausgabe 2019 | 01 Leseprobe

AUS DEM INHALT Wasserstoff als einzige Alternative „Bei H2Future geht es um die Errichtung und den Betrieb einer 6 MW Proton Exchange Membrane (kurz PEM) Elektrolyse am Stand- ort der voestalpine“, schildert der Projektkoordinator Rudolf Zauner. „Wir werden dort grünen Wasserstoff herstellen, der zum einen in die Kokerei- gasleitung der voestalpine ein- gespeist wird und zum anderen werden wir die Elektrolyse dazu verwenden, dass wir netzdienli- che Systemdienstleistungen für das Stromnetz zur Verfügung stellen.“ Im Wesentlichen soll dabei in dem Projekt – das vier- einhalb Jahre laufen und zwölf Millionen Euro EU Förderun- gen bekommen wird – darum aufzuzeigen, dass grüner Was- serstoff im industriellen Um- feld erzeugt werden kann. Die Partner sind Verbund als Pro- jektkoordinator, voestalpine, Siemens, APG, K1-MET und TNO. „Wenn man in der Stahl- industrie Kohle und Koks er- setzen möchte, ist Wasserstoff eigentlich die einzige Alternati- ve und die große Hoffnung der Branche“, so Zauner. Vertreter aus Politik und Industrie haben sogar amProjektstandort in der Linzer Stahlwelt beim infor- mellen Energieministertreffen im Herbst eine gemeinsame Erklärung für eine europäische Wasserstoff-Initiative unter- zeichnet. Die „Hydrogen Initia- tive“ wurde von der österreichi- schen EU-Ratspräsidentschaft angestoßen. Ziel der Initiative ist es, politische Rahmenbedin- gungen zu unterstützen, durch die Wasserstofftechnologien zügig in allen Energiesektoren implementiert werden können. H2Future sei vor allem im Hinblick auf diese Sektorkopp- lung interessant. „Die Sekto- ren Mobilität, Industrie und Wärme sind generell schwer zu dekarbonisieren“, sagt Zauner. Dennoch führe kein Weg dar- an vorbei auch diese Branchen grüner zu machen. Die Alter- native dafür lautet: „Wasser- stoff“, so der Verbund-Experte. „Wir wollen grünenWasserstoff mittelfristig als zweiten Ener- gieträger in unseremUnterneh- men aufbauen, der uns auch im Stromnetz die entsprechende Flexibilität gibt.“ Wasserstoff soll auch in den Verkehr Auch im Transportbereich oder in der Langzeitspeiche- rung habe Wasserstoff großes Potenzial. So plant nun der Ver- bund auch gemeinsam mit den Zillertaler Verkehrsbetrieben Pöttinger Fermenter bietet für die Verwertung organischer Rest- stoffe ein neues Verfahren der Trockenfermentation. Während bei alternativen Fermentations- verfahren vorrangig Material verwertet wird, dass in flüssiger beziehungsweise pumpbarer Form vorliegt, kann bei der Trockenfermentation unterschiedlichs- tes festes biogenes Material verwendet werden, wie es in jeder Gemeinde anfällt - nämlich Grünschnitt, Biomüll und Co. Seite 10 Eine innovative Ölnebelabscheidungstechnologie aus dem Hause IFT erreicht einen Öl-Abscheidegrad von 99,9 Prozent aus der Lager- und Gebäude-Belüftung im Pumpspeicherkraftwerk Malta-Hauptstufe in Kolbniz/Kärnten. Bericht auf Seite 11 STANDPUNKT Strommarktdesign Die Regierung arbeitet an einem neuen Ökostromgesetz, wel- ches die „Mission 2030“ ermöglichen soll: 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen (bilanziell, national). Ein zentraler Punkt ist das Strommarktdesign, da die derzeitige Funktions- weise des Marktes dafür nicht geeignet ist. Es gibt einen Preis auf Stundenbasis für „Baseload“ und einen für „Peakload“ für Strom, der jetzt erzeugt und jetzt verbraucht wird. Der Durch- schnittspreis lag viele Jahre - unter Schwankungen - zwischen 2,5 Cent/kWh und 5,5 Cent/kWh. Damit finden abgeschriebe- ne Kraftwerke ihr Auslangen. Wennwir die Energiewende umsetzenwollen, müssenwir neue Kraftwerke errichten. Diese haben - mittlerweile - Stromerzeu- gungskosten von grob 10 Cent/kWh - und zwar egal, ob PV, Wind, Gas oder Kohle. Daraus leitet sich die Notwendigkeit zur Förderung von PV undWind ab. Nun gibt es aber einen wichtigen Unterschied zwischen Strom aus fossilen Energieträgern und Strom aus Erneuerbaren: die Energie für die Fossilen wurde vor Millionen Jahren „gewon- nen“, unter Energiezufuhr kostenlos umgewandelt und ent- sprechen heute „gespeicherter“ Energie. Die Energie für die Erneuerbaren wird jetzt erzeugt und jetzt verbraucht. Da die Erneuerbaren aber volatil sind, müssen wir sie teilweise ebenso in „gespeicherte“ Energie umwandeln, um sie später zur Ver- fügung zu haben. „Gespeicherte“ Erneuerbare kosten also die erwähnten 10 Cent/kWh plus die Kosten für die Speicherung. Wir brauchen daher einen Strompreis für jetzt erzeugte und für gespeicherte Erneuerbare. Wenn Anlagen der Erneuerbaren abgeschrieben sind, pro- duzieren sie letztlich günstiger Strom als abgeschriebene Anlagen für Fossile! Eventuell könnte es noch Sinn machen, noch einen Strompreis für „gespeicherte + abgeschriebene“ Erneuerbare zu etablieren, um die Gesamtkosten möglichst rasch runterzubringen. Zudem wäre eine Preisfindung auf 15 Minuten Basis zukünftig sinnvoll, um bessere Anreize für Lastmanagement zu geben. Ich wünsche mir jedenfalls hier- mit die Diskussion als eröffnet. Mag. PatrickWagenhofer, MSc pw@wagenhofer-ee.com U M W E L T T E C H N I K • E N E R G I E • A B F A L L W I R T S C H A F T Retouren an Postfach 555, 1008 Wien | Österreichische Post AG | SCIAM Fachmedien GmbH & Co KG, Geblergasse 95, 1170 Wien | Zulassungsnummer: MZ 02Z030100 M P. B . B . V E R L AG S PO STAMT A - 1 1 7 0 W I E N SE I T 1994 | J ÄNNER 2019 – AUSGABE 1 | E INZELPRE I S : EURO 4 , 50 , - Th e ma d i e s e r Au s g a b e : Hy d r og e n Anna Maierhofer In unserem Klimaneutralitätsbündnis 2025 bekommen Emissionen einen ent- sprechenden Geldwert. Seite 7 Rudolf Kanzian Im vierten EEffG-Verpflichtungsjahr 2019 müssen Unternehmen wieder Energieaudits durchführen. Seite 8 Axel Dick Alle ISO 50001:2011 Zertifikate werden mit 21. August 2021 zurückgezogen und sind dann ungültig. Seite 9 Grüner Wasserstoff für eine saubere Stahlerzeugung? Das Projekt H2Future am Geländer der Voestalpine in Linz hat genau das zum Ziel. Was imMoment noch den Status eines Pilotprojektes trägt, könnte aber bald mehr werden. Denn Industrie und Politik warten hoffnungsvoll auf saubere Alternativen für energieintensive Sektoren … und der Verbund plant schon jetzt Wasserstoff als „zweites Standbein“ auszubauen. Wasserstoff marsch! die dortige Schmalspurbahn bis 2022 mit Wasserstoff zu versorgen. Und am Kraftwerks- standort Mellach wird eine Pilotanlage für Hochtempera- turelektrolyse errichtet. Eine innovative Technologie mit ho- hemWirkungsgrad, die auch als Brennstoffzelle genutzt werden kann, umWasserstoff wieder in Strom zu verwandeln. Auch in Leoben wird tatkräf- tig an den Schlüsseltechnologien der Energiewende geforscht. Die Montanuniversität Leoben erkundet dabei gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Wis- senschaft neue Speichermöglich- keiten von Überschussenergie aus stark schwankenden, rege- nerativen Energiequellen mittels Power-to-Gas Verfahren. Das FFG-Leitprojekt „Hydrometha“ verbindet die Hochtemperatur- elektrolyse von Kohlendioxid undWassermit der katalytischen Methanisierung zur Erreichung eines hohen elektrischen Ge- samtwirkungsgrades. Über weitere Hydrogen und Power-to-Gas Projekte inÖster- reich und international lesen Sie ab Seite 4. W asserstoff gerät im- mer mehr in den Brennpunkt der Energiewende. Viele sehen das häufigste aber auch flüchtigste chemische Element des Uni- versums als den Energieträger der Zukunft schlechthin – ob als Kraftstoff, Energiespeicher oder Wärmelieferant. Vor allem in energieinten- siven Industriesektoren steht grüner Wasserstoff aus dem Blickwinkel der Dekarboni- sierung an vorderster Stelle. Rund wird ein solches Kon- zept aber erst dann, wenn es sich auch auf alle Energiegase dieser Herkunft bezieht – also auch auf synthetisch er- zeugtes Methan. Auch wenn Wasserstoff heute nicht aus- schließlich als „grüne Energie“ bezeichnet werden kann, ist er dennoch als Träger von Wasser-, Wind und Sonnen- strom die grüne Hoffnung für die Sektoren Industrie und Mobilität und befindet sich auf einem vielversprechenden Transformationspfad. So kann Wasserstoff aus Strom über die Elektrolyse hergestellt werden. Wasserstoff hat da- bei auch eine hohe Affinität zu Sauerstoff – eine höhere als Eisen. Deshalb könnte er anstelle des Kohlenstoffs als Reduktionsmittel in der Stahl- erzeugung genutzt werden, was nun unter anderem im Rahmen von H2Future ge- schieht – einem international viel-beachteten Pilotprojekt am Geländer der voestalpine in Linz. Ihr Partner in der Umweltmesstechnik TÜV SÜD Landesgesellschaft Österreich GmbH Tel.: + 43 (0) 50528-4080 www.tuev-sued.at ZAPPAR HOLEN Video ansehen ZAPPAR HOLEN Video ansehen Foto: Foto: voestalpine, verbund

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